Freitag, 25. November 2011

Von La Paz auf die Isla del Sol

Auf dem Hexenmarkt in La Paz gibt es alles zu kaufen was das Touristenherz begehrt oder irritiert. Wir haben jetzt jeder ein Armband mehr- einen Schal und eine fast echten Windbreaker von Northface. Neben frischen Aloe Vera Blättern gibt es auch „Palo Santo“, duftendes, heiliges Holz und Lama-Föten im Angebot. Letztes wird getrocknet, in unterschiedlichen Altersstufen- mit und ohne Fell verkauft.
Ein Taxifahrer hat uns erzählt, dass sie ein- bis dreimal jährlich in Verbindung mit einem Fest verbrannt und als Dankeschön an „Pachamama“, Mutter Erde geopfert werden.

Bei der Gelegenheit konnten wir auch noch einige andere Fragen loswerden: die Schuhputzer in La Paz tragen eine wollende Gesichtsmaske, die außer die Augen nichts freigibt. Die Alkoholiker und Drogenabhängigen müssen dadurch nicht auf ihren Konsum während der Arbeitszeit verzichten und Studenten können „ohne ihr Gesicht zu verlieren“ nebenher Geld verdienen.
Der Mindestverdienst in Bolivien liegt bei 800 Bolivianos pro Monat (ca. 80 Euro), ein Postangestellter verdient etwas mehr als 1000 Bolivianos. Bessere Alternative hier: Taxi fahren- Taxisticker für die Windschutzscheibe gibt es vor dem Busterminal zu kaufen. Beides erklärt warum im Stadtbild mehr Taxen und Minibusse als Privatautos zu sehen sind.

Diese Fortbewegungsmittel zu nutzen ist sehr günstig- und nach 2 Tagen Eingewöhungsphase haben wir das System verstanden. Wir wissen in welche Richtungen wir einsteigen müssen und schaffen es, die überfüllten Minibusse mit einer lässigen Handbewegung auf der im unorganisierten Verkehr anzuhalten. Landestypisch,- das Münzgeld für eine Fahrt in der Hosentasche.

Vom Mirador Kili Kili aus haben wir uns die Stadt mal von oben angeschaut. Ein Kessel voller Häuser.




Im Tal das reichere Zentrum, je höher man den Berg hochkommt desto ärmer werden die Gegenden. Ganz am Rande der Stadt ist kaum ein fertig gestelltes Haus zu sehen. Meist fehlen die Dächer und nur das untere Geschoss des Gebäudes wird bewohnt. „für den Weiterbau fehlt das Geld“, erklärte uns unser Busfahrer am Sonntag.
Unsere zweitägige Recherche hat uns zu dem Entschluss gebracht, dass man beim befahren der „the world´s most dangerous road“ nicht sparen sollte. Wir haben uns für den vertrauenswürdigsten- aber auch teuersten- Anbieter „Gravity“ entschieden.

Als wir um 8:30 Uhr Morgens- auf 4700 Metern aus dem Minibus stiegen wurden wir dafür belohnt. Super Mountainbikes, Helme, englischsprachiger, fürsorglicher Guide und eine wetterfeste Ausstattung für die erste Etappe.

Die Eckdaten auf einen Blick: 64 km lange Strecke- davon 20 km asphaltiert- der Rest „offroad“. 56 km downhill, 8 km bergauf (Julian- die Bergziege- Drücker hat ganze Arbeit geleistet!). Abfahrt von 4700 Höhenmetern auf 1400 Meter. Die schmalste Stelle der Straße ist ca. 3 m breit. In fünf Stunden haben wir temperaturmäßig jede Jahreszeit einmal durchfahren. Von fünf Teilnehmern sind vier mit dem Fahrrad ins Ziel gekommen- eine Australierin hat vorzeitig abgebrochen.



Die Landschaft ist atemberaubend schön- die Natur ist beeindruckend und das Erlebnis war jede Anstrengung und den anschließenden Muskelkater in den Unterarmen wert. (Damit kein falscher Eindruck entsteht: nur ICH hatte mit dem Muskelkater zu kämpfen- „das liegt daran, dass du zu viel gebremst hast“- (J.D.)) Überzeugt euch selbst: der ein oder andere gute Grund zu bremsen ist auch auf den Bildern zu sehen!


Optimistisch sind wir am Montagmittag mit gepackten Koffern zum Busbahnhof gelaufen. Wir konnten es nicht glauben als die schielende Ticketverkäuferin meiner Handtasche erzählte, dass wegen Straßenblockaden heute keine Busse Richtung Copacabana fahren würden.

Wir haben den verlängerten Aufenthalt in La Paz genutzt und uns mal näher mit dem Gefängnis „San Pedro“ beschäftigt. Das unscheinbare, eingemauerte Gebäude liegt mitten im Zentrum und ist eine eigene kleine Stadt- in der Stadt. Acht von zehn Gefangenen sitzen wegen Drogendelikten ein. Das florierende Koks-Geschäft wollten sie wegen „ein paar Jahren Haft“ nicht aufgeben. Nahliegend war es die Regie im Gefangenentrakt selbst in die Hand zu nehmen. Die Wärter sichern nur noch den Eingang- dringen aber weiter nicht in die Gemäuer ein. Dafür dürfen die Familien der Insassen einziehen und Touristentouren „für den Einkauf des besten Koks von Bolivien“ durch die Mauern geführt werden. Letztes, haben wir erfahren ist seit einem guten Jahr nicht mehr erlaubt- zwei Australier haben es übertrieben und ihren Einkauf von 1,5 Kg reinstem Koks nicht vor den Wärtern verbergen können. Touristen werden nun an der Pforte bei der Eingangskontrolle abgefangen.

Am Dienstagmorgen- unsere Koffer standen wieder gepackt in der Tür- hatte sich die Straßensituation noch nicht geändert. Es hat den ganzen Tag wie aus Eimern geschüttet und wir haben den Tag im Hostel und der benachbarten Bar verbracht.

Mittwoch: um 8 Uhr sind wir in den Bus gestiegen. Um 10 Uhr haben wir den wunderschönen Titikakasee aus dem Fenster zum ersten Mal sehen können. Mit einem Floss haben wir in Tiquina übergesetzt und sind kurz darauf in Copacabana angekommen. Das Örtchen ist klein und hat eine Touristenmeile- ein Mittagessen hat uns hier gereicht.

Bei strahlendem Sonnenschein haben wir am Nachmittag auf die 1,5 Stunden  entfernte „Isla del Sol“ übergesetzt. Der Sage nach ist die Insel die Geburtsstätte des Sonnengottes. Hier strahlt alles: wir glauben es.



Das Fleckchen Erde ist atemberaubend schön. Himmel und Titikakasee sind leuchtend blau- die Insel ruhig und die Leute freundlich. Stress scheinen die Inselbewohner auf 4000 Metern Höhe nie zu haben. Es gibt keine Autos auf der Insel- als Transportmittel dienen Menschenarme und Eselrücken. Die Inselbewohner bauen Obst und Gemüse an, gehen angeln und tauschen ihre Güter untereinander aus.
Das Inseltypische Gericht ist Forelle, Trucha. Dazu gibt es von Hand geschnittene Pommes und Salat- inkl. Blick auf den See.
Gestern sind wir 5 Stunden vom Norden in den Süden der Insel gewandert- inkl. kurzen Zwischenstopps zum Baden. Der See ist eiskalt,- aber herrlich. Die ganze Insel einzigartig.


Wir lieben den Titikakasee und fahren heute über die peruanische Grenze- am Seeufer entlang- nach Puno.

Samstag, 19. November 2011

Von Sucre nach La Paz

 Nach 3 Tagen in Sucre war unsere Weiterreise für Montagabend, den 14.11. geplant. Am Busterminal haben wir uns für die bevorstehenden 12 Stunden Fahrt den Nachtbus von „El Dorado“ ausgewählt. Für 1,50 Euro mehr pro Person wurden die Tickets für den „Cama- Bereich“,- den komfortableren Schlafbereich im Bus ausgestellt.

Unser schönes Zimmer im Hostel war geräumt, die Rucksäcke standen im Aufbewahrungsraum zur Abreise bereit als die erste Abreisende des Tages am Mittag frustriert vom Busterminal zurück ins Hostel kam. „Wegen Straßenblockaden wird Santa Cruz, ihr Reiseziel nicht angefahren“. Zwei andere Mädels kamen kurz darauf mit der Nachricht: „wegen Busfahrerstreiks fahren heute gar keine Busse ab“ und checkten wieder ins Hostel ein. Wir entschlossen uns bei „El Dorado“ anzurufen: gute Entscheidung. Wir erfuhren, dass auch unser Bus ausfällt. Was genau der Grund war konnten wir trotz mehrfachen Nachfragens nicht herausfinden. Für Dientag seien auch keine Fahrten geplant. Vielleicht am Mittwoch wieder.

Glück gehabt. Im Hostel war auch für uns noch ein Zimmer frei- und der Umtausch der Tickets hatte den Vorteil, dass wir für Mittwoch Plätze 1 und 2 reservieren konnten. Ganz vorne- gute Sicht und viel Beinfreiheit.

Dank der gewonnenen Zeit konnten wir uns noch ein bisschen genauer in Sucre umsehen. Der Mirador bietet einen schönen Blick über die Stadt. Im Restaurant Tentraciones haben wir uns über sehr gute Pasta mit Parmaschinken gefreut.

Auch unser Besuch auf dem viel empfohlenen Friedhof hat sich gelohnt. Hier werden die Menschen nicht unter der Erde begraben sondern in Mauern „gestellt“. Nach der Verbrennung wird die Urne in einer kleinen Kammer in der Wand platziert und eingemauert. Hinter einer Glasscheibe, mit frischen Blumen, Fotos und persönlichen Gegenständen dekoriert erinnern die Ruhestätten eher an kleine Tresore als an Gräber.


Anekdötchen: Wie fremd Deutschland für Bolivianer sein muss wurde uns in den letzten Tagen in verschiedenen Gesprächen mit Taxifahrern und Busbekanntschaften bewusst: Was man in Deutschland für eine Sprache spricht, wie das Wetter ist und wie viel man bei uns für ein Essen im Restaurant bezahlt- ob alle Menschen so jung aussehen wie wir, es Tiere in unserem Land gibt und warum wir in unserm Alter noch keine Kinder haben. Die ein oder andere Frage hat uns überrascht. Überrascht sind wir auch wenn Mütter ihre Kinder mitten auf die Friedhofswiese kacken lassen, kleine Jungs wie selbstverständlich vor den Suppenstand am Straßenrand pinkeln und Leute uns ansprechen weil sie sich gerne mit uns fotografieren lassen würden.

Mittwochabend. Die Koffer haben wir ordnungsgemäß eine halbe Stunde vor Abfahrt am Schalter von „El Dorado“ abgegeben und uns an den benachbarten Ständen noch etwas Wegzehrung gekauft. Um kurz vor halb acht stiegen in „unseren Bus“ ein- der Liegekomfort war schlechter als erhofft. Ein irritierter Blick der „El Dorado- Dame“ bevor sie zu uns sagte: ich dachte ihr seid im anderen Bus. Genau wie euer Gepäck. WAS? Sie rannte raus. Wir hinterher.

Die Verantwortlichen brüllten uns nur an- unhöflich. Und wir konnten wenig herausfinden. Ich wollte zu der Frau die anscheinend wusste wo unsere Koffer waren- in dem Moment fuhr unser Bus ab. Ich konnte gerade noch aufspringen. Unsere Sitzplatznachbarin erklärte uns dann, dass wegen der Streiks in den vergangenen Tagen heute 2 Busse Richtung La Paz fahren würden. Der erste Bus sei unplanmäßig 10 Minuten früher abgefahren- in dem sei sicherlich auch unser Gepäck.

Das klang einleuchtend und wir hofften das Beste. 15 Minuten nach Abfahrt stiegen neue Fahrgäste ein. Auch ein älteres Paar, voll beladen mit Tickets für Sitzplatz 1 und 2. Wir zeigten unsere und wollten sitzen bleiben. Schlimmer als wir es bei Sitzplatzfragen in der DB je erlebt haben schrien das ältere, bolivianische Paar und der „Busfahrerassistent“ uns an wir sollten sofort aufstehen.

Wir seien im falschen Bus und hätten deshalb kein Recht zu sitzen. Der Tonfall war mehr als unangemessen. Bevor die dicke Frau sich auf unseren Schoss setzen konnte standen wir auf- um irgendwie eine Lösung für das Problem zu finden. 12 Stunden auf der Treppe sitzen war nun wirklich keine Option.

An den Verstand zu appellieren machte wenig Sinn. Julian in dem Moment die gewünschten Schimpfwörter auf Spanisch beizubringen auch nicht.
„Auf der Bustreppe“ lernten wir einen Bolivianer mit dem gleichen Schicksal kennen. Auch er sollte eigentlich im anderen Bus, der ohne Vorankündigung 10 Minuten vorher abgefahren ist sitzen. Unser Vorschlag den anderen Busfahrer anzurufen und ihn um einen gemeinsamen Stopp zum Umsteigen zu bitten wurde erhört. Uns wurden bis dahin Plätze in der letzten Reihe des Busses zugeteilt. Mehr als unpassend war, dass sich in diesem Moment mein Magen meldete. Glück im Unglück: wir hatten eine Plastiktüte dabei.

Eine Stunde später, an einer Mautstelle konnten wir umsteigen. Platz 1 und 2 waren frei- die Sitze wesentlich komfortabler- nur der Busfahrer schien etwas böse als er die Türen für uns öffnen musste. Egal. Geschafft. Dank „Vomex“ ging es auch meinem Magen schnell besser.

Gegen 2 Uhr nachts wurden wir wach. Der Bus stand. Als wir um kurz nach 4 Uhr noch mal wach wurden und immer noch standen bemerkten wir, dass viele Leute ausgestiegen waren. Wir schauten aus dem Fenster. Um uns herum nichts als Busse. Stau. Komisch war nur, dass einige Fahrgäste sich ihr Gepäck geben ließen und in eine Richtung los wanderten. Wir erkundigten uns: die Straßenblockaden der vergangenen Tage wurden auch heute wieder aufgenommen. Die Busfahrer wollten bis zur Morgendämmerung abwarten um sich zu wehren. Für die ungeduldigen Fahrgäste gab es die Möglichkeit auf gut Glück ins nächste Örtchen zu laufen. Wir legten uns noch mal schlafen bis die Sonne aufging.


Aus der Ferne konnten wir beobachten, dass 2 Gruppen sich gegenseitig mit Steinen bewarfen. Als Dynamit als Wurfgeschoss ins Spiel kam beunruhigte uns das ein wenig. Es schien sich aber etwas zu bewegen. Gegen halb 7 setze sich unser Bus in Bewegung. Mit waghalsigen Überholaktionen waren wir schnell in der Nähe der Blockade. Aufgetürmter Sand, brennende Fässer und Steine auf der Straße. Links, die Gruppe von Bus- und LKW Fahrern die sich mit Steinwürfen gegen die Demonstranten auf der anderen Seite zur Wehr setzten. Polizei war weit und breit nicht zu sehen. Die Steine knallten gegen unseren Bus als wir über den Sandberg rollten. Platz 1 und 2 waren uns in diesem Moment zu „gläsern“.


Mit 6 Stunden Verzögerung sind wir Mittags in La Paz angekommen. Die Hauptstadt Boliviens mit 1,5 Millionen Einwohnern sieht aus wie ein großer Kessel- gefüllt mit Häusern. Der Blick bei der Einfahrt in die Stadt war verrückt. Das Zentrum der lauten, quirligen und ungeordneten Stadt liegt „im Tal“. Hier haben wir auch, direkt an der Hauptstraße liegend in ein Hostal eingecheckt. Permanentes Hupen, verrückter Verkehr, herumrennende Leute, Marktstandschreier und musikalische Dauerbeschallung- und das auf 3600 Metern Höhe. Die Temperaturen liegen im Moment bei ca. 17 Grad. La Paz ist eigenartig interessant.




Das Angebot auf den Märkten ist teilweise etwas gewöhnungsbedürftig.






Sonntag, 13. November 2011

Durch Salar de Uyuni nach Sucre

Nach dem Sandboarden hatte uns die Wüstenaktivität gepackt. An unserem vorletzten Tag in San Pedro de Atacama sind wir zu den 33km entfernten Termas de Puritama gefahren. Steve, unser Guide vom Sandboarden hatte uns den Trip als Fahrradtour empfohlen und sich an seinem freien Nachmittag spontan unserer 5 köpfigen Ausflugstruppe angeschlossen. Für den Hinweg haben wir unsere Fahrräder auf einen Pickup geladen und uns zum Entpannungsbad in den Thermen fahren lassen. Um 18 Uhr haben wir den Rückweg angetreten: 33 km Downhill- Fahrradtour durch die Wüste,- dem Sonnenuntergang entgegen. Unglaublicher Spaß in einer atemberaubenden Landschaft.



Nachdem wir uns am Vortag an die Vorschriften gehalten haben und weder rotes Fleisch, noch Fett und Alkohol zu uns genommen haben sind wir am Dienstagmorgen Richtung Bolivianischer Grenze gefahren. Zum Auftakt zu unserer 3- tägigen Tour durch die „Salar de Uyuni“ gab es ein Frühstück bei dem wir unsere 4 Mitreisenden, einen anderen Deutschen und 3 Franzosen kennenlernten. Auf 4400 Metern über dem Meeresspiegel haben wir bei Coca- Tee die Eckdaten ausgetauscht und schnell gemerkt, dass wir auf einer Wellenlänge liegen- als wir dann Andres, unseren Guide mit dem Allradangetriebenen Toyota kennenlernten waren wir komplett.



Ein schneller Stempel in den Reisepass an einer unscheinbaren Grenze und wir waren in Bolivien. Am Eingang in den Wüstennationalpark standen wir ganz hinten in der Reihe. Die Eintrittskarten haben wir entgegengenommen, uns wie gewünscht in die Besucherliste eingetragen- da aber keiner danach gefragt hat haben wir die die umgerechnet 30 Euro Eintritt nicht gezahlt. Bei erster Gelegenheit in Bolivien unbewusst die Zeche geprellt- trotz anfänglicher Verunsicherung haben wir uns ruhig verhalten- was sollte schon passieren? Unser Gewissen war etwas beruhigt als wir der Klofrau umgerechnet 30 Cent für den Toilettengang zahlen „durften“.

Unsere ersten Stopps haben wir bei der weißen und der grünen und roten Lagune gemacht. Mitten in der Sandwüste tauchten plötzlich weitläufige Wasserflächen auf. Durch den Wechsel der Windrichtung und –stärke verfärben sich die Lagunen in die jeweiligen Farben. Bei der grünen kamen wir gerade zur rechten Zeit. Der schlammfarbende, toxische See verwandelte sich innerhalb von Minuten vor unseren Augen in eine wunderschöne türkisgrüne Wasseroberfläche. Grund dafür ist eine bestimmte Ablagerung von Mineralien in den Lagunen.



Die rote Lagune ist das Wohnzimmer der Flamingos. In knallrotem Algendurchsetztem Wasser stehen im Sommer ca. 5000 Flamingos, die im Winter nach Chile fliegen um der Kälte zu entkommen. Wir haben gelernt, dass man anhand der Gefliederfarben das Alter der Tiere erkennen kann- etwas verwirrend: Flamingos sind in jungen Jahren grau/ weiß und je älter sie werden desto farbenfroher sind auch die Federn. Unsere Flamingo-Beobachtung hat ergeben: auf 2 Beinen wird gegessen, auf einem Bein entspannt und geschlafen.


Die erste Nacht haben wir auf knapp 5000 Metern Höhe bei dünner Luft und mit leichten Kopfschmerzen in einem 6 Bettzimmer eines Wüstenhostels verbracht.

Am sternklarern Wüstenhimmel haben wir zwar keine Sternschnuppe gesehen- die abertausenden, leuchtenden Sterne und der angehende Vollmond hat uns zum Staunen gebracht. Dank unserem französischen Kollegen wissen wir jetzt auch, dass es eine „Sternbilder- Erkennungs- App“ gibt. Gute Sache- aber ohne Wifi hilft die beste App nicht- so ist es beim Betrachten des kleinen und großen Wagens geblieben.



Ohne Dusche und eiskaltem Wasser war die morgendliche Wäsche schnell gemacht- um 8 Uhr waren unsere Rucksäcke wieder aufs Dach geschnürt und wir haben die nächsten Sehenswürdigkeiten angesteuert.

Der Schwefelgeruch der kochenden Lava in Vulkankratern hat uns benebelt, durch Wind geformte Steinformationen in Baumform haben uns beeindruckt, die Weiten der Wüste haben uns in ihrem Bann gezogen und die Lamas, Vicunas und Alpacas haben mit der Zurschaustellung ihres dicken Fells bei Nachttemperaturen um die -10 Grad Lust auf einen dicken Pullover gemacht.



Basketballplätze gibt es auch auf 4700 Metern.


Nach einer kurzen Nacht in einem Salzhotel (die Wände des Hotels sind zum Großteil aus Salz gebaut) sind wir um 5 Uhr aufgebrochen um den Sonnenaufgang in der Salzwüste Uyunis zu erleben. Das frühe Aufstehen hat sich gelohnt- auf einer 12000 km² großen, weißen Salzfläche kamen wir uns vor wie Ameisen als am Horizont die Sonne langsam aufging.


Natürlich haben wir die Gegend für ein klassisches „Touristenfotoshooting“ genutzt.




Gefrühstückt haben wir einige Stunden später auf der Insel Inca Huasi. Mitten in den Weiten des Salzes liegt diese kleine Insel auf der seit jahrhunderten Riesenkakteen wachsen. Maximaler Wachstum pro Jahr: 3 cm.




Etwas übermüdet kamen wir am Nachmittag in Uyuni, einer wenig schönen Stadt am Rande der Wüste an. Das Bild der Stadt ist geprägt durch trockene Lehmhäuser und ältere Leute in traditioneller Kleidung (schwere Röcke, bunte Tücher und Sombreros). Die einzige „Sehenswürdigkeit“ ist der Marktplatz. Die 6 Stunden Aufenthalt haben wir genutzt und um uns unseren Wunsch vom warmen Alpaca Pullover zu erfüllen, bevor wir noch am gleichen Abend in den Bus Richtung Potosi gestiegen sind.

Nach 5 Stunden Huckelpiste sind wir in der höchst gelegenen Großstadt der Welt angekommen. Auf 4200 Metern haben wir uns mitten in der Nacht zu sechst inkl. Gepäck in ein Taxi gequetscht und uns zum Hostel fahren lassen.

8 Stunden Schlaf und einem Stadtbummel später haben wir uns dazu entschlossen auf die Hauptattaktion von Potosi, den Besuch einer der Silber- und Kupferminen zu verzichten. Die Stadt an sich ist nett, hatte aber nicht viel zu bieten, sodass wir abends mit 3 Leuten unserer „Wüstenreisegruppe“ weiter in das 4 Busstunden entfernte Sucre gefahren sind.

Im Hostel Wasi Masi haben wir gestern Abend eingecheckt. Die Zimmer sind sauber und günstig und das Hostel mit einem bunt bepflanzten Innenhof sehr familiär. Strahlender Sonnenschein, die schönen Gassen mit weißen Häusern, viele junge Leute und ein toller Markt auf dem es leckere Obstsalate zu kaufen gibt haben uns die Entscheidung leicht gemacht.

Unser erster Eindruck von Bolivien: die Leute sind verschlossen- aber freundlich. Die Frauen tragen langes pechschwarzes Haar zu zwei Zöpfen geflochten, einen Hut, bunte Röcke und Spitzenblusen. Die Männer tragen volles Haar, selten grau- kahle Köpfe und Billen sind nie zu sehen. Schlechte oder fehlende Zähne dafür umso häufiger.


Anstatt Taschen werden bunte Tücher zum Transport von Lebensmitteln, Verkaufsgegenständen und Kindern genutzt. Busse mit 24 Sitzplätzen werden auch für längere Strecken gerne mit 40 Leuten + Kinder beladen und Taxis fahren für 50 Cent pro Person. Fleisch, Reis, Kartoffeln und Salat bekommt man an den Straßenständen für 80 Cent und in der Happy hour kosten 2 Longdrinks 1,50 Euro. Bolivien ist spannend zu bereisen und wird unsere Reisekasse schonen.

Sonntag, 6. November 2011

Von La Serena nach San Pedro de Atacama

Der Ortskern von La Serena ist mit vielen Bauten im Kolonialstil einen entspannten Sonntagsbummel wert. Aber auch hier mussten wir die lange Hose und Pullover ausgepackt lassen da es durch die die Lage direkt an der Küste recht windig ist.

Umgeben von Naturschutzgebieten leben 2 Stunden Busfahrt von La Serena entfernt die Humboldtpinguine. Nachdem die CONAF (Chilean Forestry Corporation) nach 2 Stunden Wartezeit am Bootssteg ihr „ok“ gegeben hat konnten wir trotz Wind und weniger gutem Wetters aufs Wasser. 


Im Rahmen einer gebuchten Tagestour sind wir mit einem kleinen Motorboot, einem Guide und 10 anderen Nationalparkbesuchern zu den drei kleinen Inseln Chañaral, Damas und Choros gefahren. Vom Wasser aus hatten wir einen guten Blick auf die Küstenbereiche und die Pinguin- Wanderwege die zweimal jährlich während der Brutzeiten hoch frequentiert sind. Auf den aus dem Wasser herausragenden Felsen konnten wir Seelöwen mit ihren Jungen beim entspannten „Nichtstun“ beobachten während in direkter Nachbarschaft die „Bottlenose dolphines“ eine tolle Sprungshow für uns vorführten.



Auf der Insel Damas (die ihren Namen wegen einer Steinkonstellation in der Form einer Frauensilhouette trägt) durften wir dann eine halbe Stunde spazieren gehen und wunderschön blühende Kakteen bestaunen bevor wir mit Boot und Bus den Rückweg ins Städtchen angetreten haben.

Im Valle Elqui haben wir die kleine Ortschaft Pisco Elqui besucht. Von La Serena aus ist das chilenische Zentrum der Pisco Produktion innerhalb von 1,5 Stunden mit dem Bus zu erreichen. Das wunderschön grünen Tal ist ein Anlaufpunkt für Besucher die auf der Suche nach kosmischer Energie sind- es heißt in der Gegend werden häuftig UFOs gesichtet. 


Wir haben uns der Schnapsproduktion gewidmet und haben in einer Privatführung die Entstehung der unterschiedlichen „Pisco Mistral“ Sorten erklärt bekommen,- inklusive anschließender Schnapsprobe und einem Pisco Sour in der Sonne. UFOs haben wir trotzdem keine gesehen.



Mit zweitägiger Feiertagsverzögerung haben wir am Donnerstag einen Nachtbus nach Antofagasta genommen. Da uns vorher mehrfach von Antofagasta abgeraten wurde haben wir uns gegen einen Aufenthalt in der Stadt „die so hässlich ist wie ihr Name“ entschieden. Nach 12 Stunden Fahrt haben wir uns direkt am Busbahnhof ein Anschlussticket ins wiederum 5 Stunden entfernte San Pedro de Atacama gekauft. Die eine Stunde Aufenthalt am „Terminal de Autobúses de Antofagasta“ haben wir für einen Snack genutzt. Als wir jedoch zum ersten Mal auf unserer Tour durch Chile einen Italiano mit Ketschup statt frischen Tomaten und Avocado aus der Tube serviert bekamen stand für uns fest: wir haben die richtige Entscheidung getroffen. Antofagasta ist nicht der richtige Ort für uns.

Die Fahrt in das auf 2300 Metern gelegene San Pedro de Atacama führte uns von der Küste direkt in die trockenen Weiten der Atacama Wüste. Was eine Aussicht: weit und breit nichts als Sand und verdorrten Pflanzen. Als wir um 17 Uhr aus dem Bus ausstiegen kam uns eine trockene Hitzewelle entgegen. Nach einer kurzen Suche haben wir bei einer Familie, die 4 Gästezimmer in ihrem Innenhof vermietet ein schönes und günstiges Plätzchen zum Schlafen gefunden.

San Pedro de Atacama ist ein beeindruckender kleiner Ort und mit knapp 5000 Einwohnern und einer Hauptstraße sehr überschaubar. Die Straßen sind nicht geteert und die Häuser stehen in den kleinen Straßenzügen eng nebeneinander. Bauwerkliches Highlight die die Kirche am Dorfplatz. Strahlend weiß und eine der der ältesten Kirchen in Chile. Das Kirchendach wurde mit Kaktusstämmen gedeckt. 


Ein kleines Ereignis im Ort ist der zweimal die Woche stattfindender Obst- und Gemüsemarkt der aus einem großen Stand besteht. Hier kann sich jeder die Plastiktüten füllen und muss sich dann in die lange Schlange zum wiegen und bezahlen anstellen. Fragwürdiges System- aber Stress hat hier keiner- also: warum nicht warten?!


Morgens ein Marktbesuch- nachmittags ein bisschen Wüstenaktivität. Wir haben uns zum Sandboarden angemeldet. „So wie Snowboarden nur auf Sand“.


Mit einem Minibus wurden wir mit einer lustigen Truppe von 8 Leuten zu einer nah gelegenen 50 Meter hohen Düne gebracht. Unser Guide Steve hat sich alle Mühe gegeben um uns blutigen Anfängern in einem 5 Minuten Crashkurs alles Wissenswerte mit auf den Weg zu geben. Nachdem wir das Board bei 35 Grad und dünner Höhenluft huckepack auf die Düne getragen hatten war laut Steve der schwerste Teil des Sandboardings geschafft. Er sollte Recht behalten.




Schon unsere erste Abfahrt klappte trotz ein paar „Sitzpausen“ im Sand super. Runde zwei schaffen wir beide schon wesentlich schneller die Düne runter. In Runde drei haben wir die Bretter gewachst und damit unsere Geschwindigkeit verdoppelt. In 2 Stunden haben wir 5 bzw. 6 Abfahrten geschafft und waren extrem begeistert. Den Sonneuntergang haben wir mit einer romantischen Geschichte von verliebten Vulkanen und Pisco Sour auf einer Düne mitten in der Wüste genossen.


Nette Leute, netter Guide, super Stimmung. Der Abend wurde lang und wir haben unseren heutigen Ausflug auf den Nachmittag gelegt.

Um 16 Uhr sind wir mit nahezu der gleichen Truppe aber einem anderen Guide zu den „Cejar Lagunen“ gefahren. Nach 30 Minuten Fahrt durch die Trockenheit tauchten vor uns 2 große Salzseen auf in denen wir schwimmen gehen konnten. 



Die Salzkonzentration ist so hoch, dass wir uns einfach auf dem Rücken treiben lassen konnten. Kaum kam man aus dem Wasser raus trocknete das Salzwasser auf dem Körper und man hatte den Hautton eines Schneemanns. Wir wurden deshalb mit Süßwasser abgeduscht bevor wir zu dem nächsten Spot gefahren sind. Ein 22 Meter tiefer Naturpool mit eiskaltem Wasser. Julian hat den Sprung aus 2 Meter Höhe gewagt- ich habe ein Foto gemacht und das Handtuch gereicht- schließlich waren wir gerade erst richtig getrocknet.



Die letzte Etappe des Tages war ein beeindruckender, großer Salzsee. Die herausstehenden Salzkristalle sehen aus wie Schneeberge in Mitten eines Sees. 


 


Auch hier haben wir unseren Abend mit Pisco Sour und einem schönen „Wüstensonnenuntergang“ ausklingen lassen und sitzen jetzt frisch geduscht mit einem kalten Dosenbier in der Küche unserer Pension.

Für morgen haben wir eine Fahrradtour geplant- übermorgen fahren wir dann weiter nach Bolivien. Nächstes Ziel: die Salzwüste „Salar de Uyuni“.