Mittwoch, 11. Januar 2012

Von Wellington nach Queenstown

Der Weg nach Wellington war regnerisch und unser Nachtquartier ein Parkplatz direkt vor der Ablegestelle der Bluebridge Fähre. Wir haben den Abend wenig budgetfreundlich dafür aber kulinarisch herausragend in einem Italienischen Restaurant verbracht und die Besichtigung von Wellington auf die Rückfahrt verschoben.

Am nächsten Morgen konnten wir uns im Aufstehen bei Regen üben- um 7 Uhr war das Auto auf der Fähre geparkt- die Füße nass, Stimmung mäßig aber die zumindest die Zähne geputzt.

Wir sind „Schönwettercamper“. Das steht nach 2 Tagen Regen fest.

Auch auf der Südinsel erwartete uns in Picton eine graue Wolkendecke. Das Wasser das auf den Postkartenbildern so herrlich grün-blau zum baden einlädt gleicht an diesem Tag einem Schlammbad. Ohne einen nennenswerten Halt sind wir direkt nach Nelson durchgefahren.

Hier haben wir Bludi und Lilli getroffen die vor dem Regen aus dem Nationalpark geflohen sind. Als Bludi am nächsten Morgen mit einer Entzündung am Fuß aufwachte waren unsere gemeinsamen Silvesterpläne leider dahin. Die beiden feierten nach einem Besuch im Krankenhaus am Campingplatz ins neue Jahr hinein während wir mit Tom und Steffi in der ortsansässigen Brauerei ein schönes Plätzchen gefunden haben. Um 24 Uhr haben wir zu live Musik auf dem Straßenfest getanzt. Frohes neues Jahr euch allen!

Neues Jahr, neues (Wetter-) Glück. Am 01.01. schien die Sonne. Am Mittag haben wir uns mit Tom, Steffi und einem leichten Kater (Portwein auf Bier- das rat ich dir. NICHT.) auf den Weg nach Maharau, das letzte Örtchen vor dem Abel Tasman Nationalpark gemacht. Die mehrtägige Wanderung wollten wir uns sparen und dafür auf eigene Faust den Nationalpark erkunden.




Vom Meeresfront Campingplatz sind wir am nächsten Morgen losgewandert und haben in 8 Stunden zu Fuß die Naturschönheit des Parks genossen.



Leider sehr störend: Die auf der Südinsel weitverbreiteten Sandflies. Kleiner, leiser und hemmungsloser als Mücken setzen sie sich auf nackte Haut, saugen Blut und hinterlassen juckende Bisse. Obwohl wir wie angeraten viel Knoblauch essen, unsere haut versuchen feucht zu halten und in den aggressivsten Insektenschutz des Apothekensortiments investiert haben bleiben wir nicht verschont.

Am Tag darauf auf dem Wasserweg. Im Doppelkanu fahren bereits geübt haben wir uns die Seelöwenkolonie in Norden einer kleinen Insel angeschaut um danach an einem einsamen Strandabschnitt eine ausgedehnte Mittagspause zu machen. Der Rückenwind auf dem Heimweg kam uns gelegen. Weniger paddeln und mehr Zeit und Muße zum Angeln. Ohne Erfolg und diesmal auch ohne Geschenke von vorbeifahrenden Booten. Statt Fisch gab es am Abend Apfelpfannkuchen.





Unser Nachtquartier haben wir am Hafen von Motueka aufgeschlagen. Mit der Genehmigung eines Bootsbesitzers und dem Versprechen keinen Müll zu hinterlassen haben wir uns vor seinen Steg gestellt. Zum Frühstück haben wir dann Bludi und Lilly am Strand getroffen um gemeinsam zum Farewell Spit, Golden Bay zu fahren. Der Fuß hat sich wieder ein bisschen erholt und zumindest das Autofahren funktioniert wieder.


In Collingwood, einem 250 Seelen Örtchen haben wir unseren Abend im „Mussel Inn“ verbracht. Die Bar ist eine Institution in der Gegend. Gutes Essen, leckeren Cidre und live Musik. Schlafen durften wir auf dem Parkplatz- so war der Weg nach Hause nicht weit.


Den Verlust meiner Brille bemerkten wir genau auf diesem Parkplatz. Ein guter Grund unser Auto einmal komplett auszuräumen. Sie blieb verschwunden. Ich erinnerte mich daran, sie morgens nach dem Aufstehen aufs Autodach gelegt zu haben. Müßig zu erwähnen, dass sie hier, nach 2 Stunden Fahrt nicht mehr lag. Auf dem Rückweg wollten wir noch mal den Hafen abfahren um zu suchen.

Die bisher schönste Gegend- neben dem Abel Tasman Nationalpark-, erwartete uns am Farewell Spit. Bei Ebbe sind wir am breiten Strand entlang gewandert bis wir kurz vor dem eigentlichen Spit auf eine Düne klettern konnten. Rechts und links das Meer schien wie verschwunden- im Sandsturm haben wir uns gefühlt wie in der Wüste. Fantastisch schön.




Kurz vor Takanaka haben wir auf dem Rückweg einen klaren, Fluss überquert. Versandet von der „Wüstenwanderung“ haben wir die Schwimmmöglichkeit genutzt und festestellt, dass Campen hier nicht verboten ist. Am schönsten Spot (erste Flussreihe) haben wir direkt am Wasser unseren Pajero geparkt- Bludi und Lilli sind weiter gefahren. Wo es schön ist soll man bleiben. Nette Nachbarn, leckere, selbstgemachte Frikadellen und ein morgendliches Bad im Fluss.



Der kommende Tag stand unter einem guten Stern. Im Örtchen haben wir frisches deutsches Brot gekauft (das neuseeländische Brot hat gewöhnlich eine holländisch-weiche Konsistenz), einen schönen Marktbummel gemacht und zu guter letzt meine verloren gewähnte Brille auf einem Holztischchen am Hafen in Motuekta wiedergefunden. Die Freude war groß.

Auf einem DOC (Department of Conservation) Campingplatz im „Upper Buller George“ sind wir am Abend per Zufall wieder auf Tom und Steffi getroffen.


Der Ausflug am nächsten Tag zu einer nahegelegenen Seelöwenkolonie war weniger spannend- der angrenzende Stand dafür umso schöner. Hier in der Nähe wollten wir eine Übernachtungsmöglichkeit finden.



Wie das Schicksal es so will hat uns eine spontane Pinkelpause zu unserem Nachtquartier geführt. Der „little beach“ liegt auf der Beach Road in der Nähe von Charleston. Mit einer Feuerstelle, Stein- und Sandstrand und ohne Campingsverbotschild genau das was wir gesucht haben. Lange blieben wir allerdings nicht allein. Ein Spanier den wir am Vortag auf dem DOC Campingplatz kennengelernt hatten lenkte sein Fahrrad mit auf der Südinsel unterwegs ist auch zielstrebig zu „unserem Strand“ und baute ein Zelt auf.


Zwei Männer „aus der Nachbarschaft“ gesellten sich am frühen Abend auch zu uns. Dean, einer der beiden, hatte am nächsten Tag Geburtstag und wollte ein Feuerchen machen. Wir tranken, kochten und machten ein riesen Feuer zusammen. Ein weiterer Kumpel von ihm kam mit seinem Sohn vorbei. Es war ein lustiger Abend und die Zeit verging im Flug. Zu seinem Geburtstag konnten wir um Mitternacht eine von Silvester übrig gebliebene Flasche Sekt überreichen.


Bei der Nachtwanderung am Strand sahen wir leider nicht groß angekündigten Pinguine - dafür gab es reichlich Bier und Woodie (Whisky Cola aus Dosen)., Liebeserklärungen an unser Auto und skurile Geschichten von merkwürdigen Kiwis.

(Nach diesem Abend steht fest: unser Auto übt auf Männer eine ganz besondere Anziehung aus- klar, dass Julian die ein oder andere Runde am Strand gedreht hat- jeder der wollte durfte mal mitfahren- und das Auto in Sichtweite vom Feuer auf dem Strand geparkt wurde.)


Als die Sonne wieder aufging konnten wir kaum glauben, dass die Nacht schon vorbei war- und wir immer noch wach.

Zum Frühstück gab es ein Bad im kalten Meer, Stockwurst, Eier und Dosenbier. Am Nachmittag konnten wir uns losreißen und sind weiter bis Greymouth gefahren. Unsere Körper verlangten nach Fastfood und einer Mütze Schlaf. Mc Donalds und eine ruhige Seitenstraße am Meer kamen uns da sehr gelegen.

Nach 13 Stunden Schlaf und einer Dusche im öffentlichen Schwimmbad von Hokitika fühlten wir uns wie neu geboren.

Unser nächstes Ziel waren der Franz Josef und der Fox Gletscher. Hier sind wir heute, bei Nieselregen angekommen. Leider sind die Berge so Wolken verhangen, dass wir die Schönheit der Landschaft nur erahnen können. Wir bleiben bis morgen und hoffen auf Besserung. Den Neuseeländischen Sommer hätten wir uns etwas sonniger gewünscht.



Nach einer Nacht -mit zu vielen Sandflies - am Lake Wanaka sind wir in Queenstown angekommen. Die Stadt ist mit 10.000 Einwohnern ungewohnt geschäftig. (Auf 4 Millionen Einwohner in Neuseeland kommen 40 Millionen Schaafe- ich könnt euch denken wovon wir auf unseren Wegen mehr sehen…)
Uns gefällt die Abwechslung und verbringen den Tag unter Menschen bevor wir morgen weiter Richtung Te Anau fahren.

2 Kommentare:

Simon Peter hat gesagt…

Guten Morgen aus Kölle,
so kann der Büromorgen beginnen, mal wieder ein äußerst interessanter Reisebericht - meine neue Nr. 1. :) Die angesprochene Faszination für Eure Karre kann ich absolut nachvollziehen. Julian, bringst Du die mit? :)

Ich wünsch Euch weiterhin vun Hätze alles Jode ;)

Leev Jröß,
Simon

Anonym hat gesagt…

Hallo ihr beiden,
ich muss sagen, dass ich mich Simon anschließen kann und mich auch über den mal wieder tollen Reisebericht freue. Ich war sogar schon enttäuscht, dass es soooo lange gedauert hat, bis etwas neues kam. Die Fotos sind traumhaft und machen Fernweh... obwohl mit Sandflies habe ich auch so meine Erfahrungen, ziemlich gemeine Viehcher. Euch noch weiter eine tolle Zeit. So relaxed wie ihr auf den Fotos ausseht... scheint euch auch der nicht ganz so sonnige neuseeländische Sommer jedoch nichts anhaben zu können.
Liebe Grüße, Steffi